So, wer die Überschrift begriffen hat und mich gerne wegen politischer Unkorrektheit ausschimpfen möchte, kann mir heute gerne mal gepflegt die Stirn lecken. Für alle anderen ein herzliches Hallo und Willkommen im Kochstudio von Tante Krauße. Heute kochen wir chinesisch oder besser gesagt, wir kochen so, wie sich Frau Krauße Chinaessen vorstellt. Das ist ja mal ein himmelweiter Unterschied.

Esst ihr auch so gerne diese fiesen, kleinen Dinger, diese hundsgemeinen Sachen, die als Vorspeise auf der Karte stehen, nicht satt machen, aber derart fettgeladen sind, dass man hinterher besser kein Hauptgericht mehr essen sollte? Ja? Frühlingsrollen! Ich liebe und ich hasse sie. Ich weiß noch, in der Schwangerschaft hab ich mir immer gesagt: „Ach, drauf gepupst, sind ja kaum Kohlenhydrate drin, kannste essen.“ Jaha, wenn die wirklich nur mit Gemüse gefüllt sind, hat man Glück gehabt. Die meisten bestehen aber hauptsächlich aus Nudeln, Fleisch und vielleicht noch etwas Gemüse.
Deswegen hier eine gute und eine schlechte Nachricht: Frühlingsrollen selbst machen ist total einfach und kann extrem lecker sein. Die schlechte Nachricht nur für die Schwangeren: Es dauert. Schnell ist man mit der Zubereitung nicht durch. Alle anderen: Man kann sich während dessen gut mit einem Kochbier trösten.

Zuerst gucken wir mal, was wir brauchen:

1/3 Jaromakohl oder entsprechend 1/2 Spitzkohl (Weißkohl oder Wirsing brauchen zu lange zum gar werden und blähen auch zu sehr)
1 Bund Frühlingszwiebeln
5 Möhren
1 Paprika
100 g ungekochten Vollkornreis (ich empfehle den Vollkornreis von bali, weil der nämlich nach dem Kochen keinen unansehnlichen, eklig klebenden Klumpen bildet, sondern wirklich schön körnig ist)
1 Glas Sojasprossen und/oder Bambussprossen, je nach Geschmack
Gewürze (fertiges Chinagewürz oder entsprechend andere Sachen, die ihr gerne mögt wie Knoblauch, Parikapulver, Ingwer, etc. Die Schwangeren nehmen bitte nur Gewürze, die sie auch nehmen dürfen, ja?)
Sojasoße
Reisblätter oder Reispapier (gibt es heutzutage in den größeren Supermärkten außer bei LIDL und ALDI, Kaufland hat sie auf jeden Fall)
Wer es mag: 4 Eier. Wer es vegan möchte, lässt diese weg. Geht auch ohne super.

Und so werden die Frühlingsrollen gemacht:
1. Bier öffnen. Und einen Schluck trinken. Während dessen den Reis aufsetzen (1 Teil Reis, 2 Teile Wasser. Er ist gar, wenn er das Wasser komplett aufgenommen hat. Wasser nicht salzen! Gesalzener Reis im Chinaessen schmeckt bäh.)

2. Gemüse waschen und schnibbeln: Die Möhren in Stifte oder dünne Streifen, die Frühlingszwiebeln in Röllchen, den Kohl in dünne Streifen, die Paprika in dünne Streifen und wenn ihr sonst noch Gemüse habt, das weg muss: Putzen und (Überraschung) in dünne Streifen schneiden. Das ist der eine von zwei Arbeitsschritten, die lange brauchen. Aber es lohnt sich! Nichts geht über frisches Gemüse!

3. Das Bier nicht warm werden lassen und mal wieder ein Schlückchen trinken.

4. Öl in einem Wok erhitzen und nacheinander die Gemüse anbraten. Fangt mit den Frühlingszwiebeln an, dann die Möhren, der Kohl, die Paprika, usw. Das, was am längsten braucht, kommt zuerst in den Wok. Achtung, Jaromakohl ist sehr schnell gar, deswegen eignet er sich besonders gut für dieses Gericht. Zwischendurch immer mal Sojasauce angießen. Und nicht weiter salzen! Die Sauce ist salzig genug. Wenn alles gar ist, Platte aus und wer mag, kann jetzt die verquirlten Eier schnell unterrühren. Gewürze noch drüber und fertig. Darauf einen Schluck Bier.

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5. Jetzt wird gewickelt. Wer früher mal geraucht und sich dafür seine Zigaretten selbst gedreht hat, ist klar im Vorteil. Legt vor euch ein feuchtes Küchenhandtuch aus (keine Küchenrolle!!). Stellt neben euch einen großen Teller mit Wasser auf, in dem die Reispapiere eingeweicht werden. Ihr braucht pro Frühlingsrolle zwei Blätter. Legt sie überlappend vor euch aus.

IMGP8572Ich weiß, man sieht nicht viel. Aber mein Reispapier ist rund. Ich hab die Platten wie eine auf der Seite liegende 8 ausgelegt. Nun kommt der nächste Schritt: Während das Reispapier weich und glitschig wird, werden zwei Esslöffel voll Gemüsereis darauf platziert. Ungefähr so:

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Und jetzt wird gerollt: Das vordere Ende auf die Füllung klappen,

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die Seiten einschlagen

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und dann aufrollen.

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Das Reispapier klebt wunderbar. Keine Sorge, dass die Rollen wieder aufgehen, das passiert nicht. Aber lasst das Papier nicht zu lange im Wasser liegen, ihr bekommt es sonst nicht mehr glatt auf dem Küchentuch ausgelegt. Zweimal kurz im Wasser baden reicht völlig aus. Wenn es noch etwas stabil ist, legt ihr es auf dem Tuch ab, dort kann es dann weich werden.
Die Menge an Gemüsefüllung reicht für ca. 16 Rollen. Jetzt versteht ihr, warum das Kochbier so wichtig ist. Es hält bei Laune. Nicht wahr? Meine ersten Rollen sahen so aus:

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Wenn ihr fertig gerollt habt, werden die Dinger nur noch in etwas Öl in der Pfanne von allen Seiten gebraten. Sie werden nicht so knusprig wie aus der Fritteuse, fand ich persönlich aber nicht so schlimm. Dann müsste man auch anderen Teig nehmen. Achtet darauf, dass sich die ungebratenen Rollen nicht berühren, sonst kleben sie aneinander.

6. Es ist noch Bier da? Dann hoch die Tassen!

7. Die fertigen, ungebratenen Rollen lassen sich prima im Kühlschrank aufheben für 2 bis 3 Tage, sicher kann man sie auch einfrieren, das habe ich aber noch nicht ausprobiert. So, und jetzt wollen bestimmt alle wissen, wieviele BE die Rollen haben. Also: Eine Portion sind 3 – 4 Rollen und ergeben gerundet 3 BE. Mein Rechner rechnet aber auch alles Gemüse mit an, was einige vernachlässigen. Die Meinungen sind da geteilt. Lässt man das Gemüse aus der Berechnung raus, müssen lediglich der Vollkornreis und das Reispapier berechnet werden und ergeben ca 2 BE pro Portion. Meine Erfahrung war bisher, dass Gemüse in der Schwangerschaft meinen Blutzucker so gut wie gar nicht steigen ließ. Bei Reis musste ich immer sehr vorsichtig sein – probiert es einfach aus. Wer mit Reis schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann klein geschnittene Vollkornnudeln mit zum Gemüse geben oder die Kohlenhydrate ganz weg lassen. Wer gerne noch etwas Tier dazu haben will, dem empfehle ich gebratenen Lachs – Fisch passt hervorragend und ist auch noch gesund. Auf jeden Fall sind das mal Frühlingsrollen, von denen man satt wird und nicht nur man selbst, sondern drei weitere Esser auch noch. Dafür lohnt sich der Aufwand auch mal. Viel Spaß beim Nachmachen. Und nicht vergessen: Bier austrinken!

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