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Manchmal sitze ich mit weit aufgerissenen Augen nachts im Bett, neben mir strampelt der Jüngste und ich denke: „Es sind drei. Drei. Drei Kinder. Drei.“ Dabei hallen die Geräusche des Tages in meinen Ohren nach. Eine Sinfonie aus Geschrei, Würgelauten, dem neuesten Barbie-Film und der Titelmelodie von Emily Erdbeer.

Oftmals bekomme ich zu hören: „Ach, Drei ist doch die neue Zwei“, und dann werde ich ob meiner Kinderschar belächelt. Von Müttern mit einem Kind, wohlbemerkt. Und dann kommt gleich die Frage: „Wann kommt euer viertes?“ Ich wehre dann immer ab und sage: „Nee, wir sind durch. Wir haben unseren biologischen Auftrag mit Sternchen und Zugabe erfüllt.“, und dann wird schon wieder gelächelt und ich höre ein: „Ja ja. Wer’s glaubt.“

Liebes Publikum. Um mal kurz zu erklären, warum die Mehrheit der mich umgebenden Menschen zu dem Glauben kommt, ich könne mir nichts Tolleres vorstellen in meinem Leben, als jedes Jahr, in dem eine Fußball-WM stattfindet, ein Kind zu bekommen: Ich bin eine Übermutter. Und meine Familie ist eine Überfamilie. Wir wachen alle früh ohne Mundgeruch und Schlafsand in den Augen auf. Fröhlich tanzen wir gemeinsam aus unseren Betten, das jüngste Söhnchen pupst vor Freude ein paar Blümchen mit dem Duft von Aprilfrisch in die Luft, während wir gemeinsam zum Frühstückstisch schweben. Selbstverständlich habe ich in Windeseile vollwertige Vollkornwaffeln für die ganze Familie gebacken und für jeden eine Orange ausgepresst. Gemeinsam essen wir singend unser Mahl, dann bringe ich die Kinder zu Fuß und tanzend in den Kindergarten und in die Schule. Dort gehen die beiden großen Kinder ausgesprochen gerne hin und kommen auch nur mit den schönsten Erlebnissen wieder heim. Den Rest des Tages erledige ich mit Freuden den gesamten Haushalt, während ich mein lachendes Baby auf meinem spontan gewachsenen dritten Arm durch die Gegend trage. Ich backe Brot und wasche Wäsche, putze die Küche und koche schon einmal das Abendessen vor, denn wir wollen uns ja vernünftig ernähren. Zwischendurch wechsle ich immer mal wieder die Windel des Kleinsten. Ich weiß schon gar nicht mehr wohin mit all den vielen Blümchen aus seinen Windeln.
Wenn dann nachmittags die beiden großen Kinder heim kommen, spielte der Jüngste in der Regel schon stundenlang vergnügt im Laufgitter. Wir freuen uns riesig, wieder alle beisammen zu sein, mein Mann, der im Homeoffice arbeitet, lässt spontan alles stehen und liegen und gemeinsam spielen und lachen wir, bis es Abend wird. Ganz von alleine gehen dann die beiden Großen ins Bad, ohne einen einzigen Tropfen Wasser zu verschwenden waschen oder duschen sie, ziehen sich die Schlafanzüge an und kommen sofort zu mir geeilt, um zu fragen, wobei sie mir helfen können. Andere Kinder wollen ja gerne am Abend mal etwas fernsehen, aber aus unserem Fernseher habe ich schon vor einigen Monaten ein Aquarium gemacht, weil wir den eh nicht mehr angeschaltet haben. Keiner will diesen Käse sehen, der da tagtäglich läuft.
Das Abendbrot verzehren wir in absoluter Stille, die Kinder sitzen artig und ruhig am Tisch, essen zügig, aber schlingen nicht und sprechen erst, wenn die Erwachsenen sie mit einem Nicken dazu auffordern. Bereitwillig erzählt der Große von der Schule, während seine Schwester aufmerksam zuhört. Nach dem Abendbrot reiben sich dann alle Kinder müde die Augen und fallen glücklich in ihre Betten. Innerhalb von wenigen Sekunden sind sie alle eingeschlafen und mein Mann und ich stehen glücklich in der Kinderzimmertür, liegen uns in den Armen und können unser Glück kaum fassen. Hoffentlich bekommen wir bald unser viertes Kind!!

Das Leben ist ein Fest, seit ich Kinder habe. Mit jedem Kind einen Schritt weiter nach hinten in der Bedürfniskette zu treten, ist mir ein Leichtes. Nie habe ich auch nur eine Träne deswegen vergossen. Dass meine Hormone mich seit Wochen fest im Schwitzkasten haben, begrüße ich sehr. Die überbordende Mutterliebe lässt mich jeden Tag verzückt die Kinder anschmachten, wenn sie mit gewaschenen Mündern und Händen nach einem Stück Brokkoli verlangen. Da sie selbständig und spielend täglich ihre Zimmer aufräumen, habe ich einen Haufen Freizeit. Überhaupt war alle Sorge umsonst, als ich noch vor ein paar Monaten vor unserem Umzug dachte: „Oh Gott, ein so großes Haus! Wer soll das putzen?“ Es ist kinderleicht! Ich schwinge einmal in der Woche den Staubsauger und putze das ganze Haus von oben bis unten. Dauert ja nicht lange, weil hier jeder immer alles sofort wegräumt, was er benutzt hat. Wenn ich dann sauber machen will, sage ich zum Baby: „Schlaf!“, und es dreht artig den Kopf zur Seite, klappt die Äuglein zu und meldet sich erst wieder, wenn ich alle Putzutensilien weggeräumt habe. Ausruhen muss ich mich danach nie. Sauber machen ist doch ein herrliches, entspanntes Workout, bei dem mein Puls nie über 120 Schläge die Minute kommt. Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn ich dann endlich im Garten mich selbst verwirklichen kann! Das Putzen füllt mich so gar nicht aus.

Ihr seht, ich bin die Ausgeglichenheit und Entspannung in Person. Und ich werde gerade mal 24 dieses Jahr. Mir gelingt alles. Ganz alleine. Ohne Hilfe. Mein Mann muss nichts tun. Er würde furchtbar gerne, aber es gibt einfach nichts, was er machen kann. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir noch viele, viele Kinder bekommen. Von uns kann es nie genug geben!

Ps.: Die Wahrheit ist: Ich backe wirklich Brot und mein Mann arbeitet tatsächlich im Homeoffice. Und eigentlich helfe ich ihm mit den Kindern und nicht umgekehrt.

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