Der Knopf ist da! Er schlüpfte am 9.10.2014, 22.05 Uhr. Die Maße: 55 cm lang, ein Dickschädel von 36 cm Umfang, 3490 g schwer und zuckerzuckersüß. Und so lief es:

Da ich einen insulinpflichtigen Diabetes hatte, musste ich zur Einleitung ins Krankenhaus. Man machte mir vorher unmissverständlich klar, dass man mich auf keinen Fall über den Termin gehen lasse, sondern maximal bis zum errechneten Termin, sollte der Zucker gut laufen. Sonst müsste man eher eingreifen. Der gewissenhafte Mitleser weiß: Mein Zucker lief optimal. Errechneter Termin war der 10.10., also war der Einleitungstermin mit dem 9.10. wirklich prima. Sicher hätte ich mich verweigern können, aber wie ich jetzt weiß, wär das Stress für nix gewesen.

Ich ritt also mit meinem lieben Mann am 9.10. im Krankenhaus ein, wir erledigten die Formalien, das Einleitungsgel wurde gelegt und wir gingen fast den ganzen Tag im Krankenhausgelände spazieren. Ich hatte Wehen, die aber zu kurz und zu schwach waren, um irgendwas zu bewirken. Aber kraftraubend waren sie dennoch. Und sie reichten, um meine alte Angst wieder wach zu rufen und das war meine Erfahrung mit dem Töchterchen vor 4 Jahren: Ein Wehensturm. Für alle Uneingeweihten: Das sind Wehen ohne Pausen und zwar über Stunden hinweg. Bisher hatte ich diese Erfahrung immer auf das Gel geschoben und stand somit dieser Methode nicht sehr aufgeschlossen gegenüber. Was, wenn mich nochmal sowas erwartet?
Dennoch genoss ich diesen Tag mit meinem Mann. Eigentlich sollte mich meine Mama begleiten, die aber selbst im Krankenhaus lag und da sprang mein Liebster wie selbstverständlich einfach ein. Das Wetter war traumhaft, wir lachten und quatschten viel und ich schwelgte in Erinnerungen an die beiden großen Kinder und wie sie in unser Leben gepurzelt kamen.
Immer wieder mussten wir zurück in den Kreißsaal zum CTG und der Befund war ernüchternd. Es tat sich nichts. Wehen ja, aber 0 Geburtsbereitschaft. Abends 17 Uhr sollte dann entschieden werden, was weiter passiert. Mein Liebster war 16 Uhr heim gefahren, um die beiden großen Kinder zu übernehmen und dann standen drei Ärzte vor mir, die mir die zweite Ladung Gel verpassen wollten. Das war der Moment, wo ich gestreikt habe. Die Panik, wieder so sehr seelisch und körperlich an meine Grenzen geführt zu werden, war übergroß. Ich fühlte mich dem nicht gewachsen und brach die Einleitung ab. Kein zweites Gel, dann lieber Kaiserschnitt. Raus muss der Knabe und das nicht nach dem Termin, wenn es nicht von alleine losgeht, dann eben dieser Ausgang. Meine Hebamme besprach ganz ruhig alles mit mir, nahm mir die Angst, dass irgendwas an dieser Entscheidung falsch sei und ich verkrümelte mich, um meine Mama und meinen Mann zu informieren, wie es nun weiter geht. Gegen 19 Uhr sollte entschieden werden, wann der Kaiserschnitt gemacht wird und ich legte mich ganz entspannt im Kreißsaal aufs Bett. Mir blieb eine Stunde Ruhe und die wollte ich genießen.
Ich nahm mein Handy, wollte einer meiner besten Freundinnen eine SMS schreiben, ruckelte mich etwas auf dem Bett zurecht und fing an zu tippen. Der Knopf in meinem Bauch turnte wie verrückt und ich amüsierte mich noch darüber, als es plötzlich innerlich sowas wie einen lautlosen Knall gab. Es ist eine erstaunliche Erfahrung, ein „Peng!“ nur zu spüren und nicht zu hören. Erschrocken hielt ich inne. „Bitte, lieber Gott, lass es nur eine verklemmte Luftblase im Darm gewesen sein, die weiter gewandert ist…“, war mein einziger Gedanke. Ich stand vom Bett auf und dann hatte ich Gewissheit: Eine wandernde Luftblase macht nicht so viel nass… Also hatte mein kleiner Rocker mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, seine Bude zertrümmert, nochmal ordentlich reingekackt, wie wir später feststellten und schickte sich also an, nach einer neunmonatigen Party das Haus von alleine zu verlassen. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass er auch ohne den ganzen Einleitungsquatsch von alleine an diesem Tag gekommen wäre.

Meine Hebamme hat sich – glaube ich – über diesen Startschuss sehr gefreut. Ich nicht. Ich hatte unfassbare Angst, denn ich wusste, was mich erwartet. Dass mir mit einem Blasensprung kein Arzt auf dieser Welt mehr einen Kaiserschnitt macht, war mir mittlerweile klar. Ich bedankte mich innerlich bei meinem Sohn und hoffte noch ein wenig darauf, dass das Wort der Mutter (Mein Körper, meine Entscheidung) doch noch was zählt. Meine Hebamme rief meinen Mann an, den ich eigentlich nie, nie, nie, niemals, never bei der Entbindung mit dabei haben wollte (die Gründe: Scham, das wird supereklig, ich brülle wie eine Furie, außerdem wird das supereklig und hab ich erwähnt, dass es supereklig wird?), er organisierte die Betreuung der Kinder daheim und war ganz schnell da. Bloß gut! Sein Beistand war mir plötzlich doch sehr wichtig. Er war auch derjenige, der mir dann die PDA organisierte (ich bettelte ja immer noch, einen Kaiserschnitt zu bekommen, an das Naheliegende hab ich ja nicht gedacht). Mit allen Details will ich euch gar nicht behelligen. Nur soviel sei gesagt: Julius ließ sich für die gesamte Geburt von Blasensprung bis zum ersten Schrei gerade mal vier Stunden. Ohne PDA wäre es sicher noch schneller gegangen, aber das war gar nicht nötig. Als ich den Mann hinterher mal fragte, wie er mich eigentlich währenddessen erlebt hat, sagte er: „Du warst halt wie Dumbledore Teil 6 in der Höhle, als er den Zaubertrank trinken musste.“ Will heißen: Ich bin wohl so vom Verhalten her durch alle Täler gegangen. Ich hab die Ärzte angeschrien, zwischendurch mal Sachen gebrüllt, die sich auf „geschickte und zerschrammte Meise“ reimen, habe wohl stimmlich echt alles gegeben, was in mir steckte und geheult und hyperventiliert. Also das volle Programm. Und dennoch: Es war wie ein Wunder, vor dem man danach plötzlich staunend am Boden liegt und es kaum fassen kann. Julius hat mich übrigens zur Begrüßung vollgekackt (er durfte auch mal kundtun, was er davon hielt) und dann war alles sofort gut.

So, und Frau Krauße, wie steht es denn nun mit dem Diabetes? Ach, prima soweit. Die Werte haben sich tatsächlich wieder normalisiert. Sowohl die morgendlichen Werte, als auch die nach den Mahlzeiten. Wenn ich wöllte, dürfte ich wieder alles essen. Aber was soll ich sagen? Ich wiege aktuell schon 11 kg weniger als vor der Schwangerschaft und ich mache weiter. Ich habe nicht nur die 100er Marke geknackt, sondern mittlerweile auch schon die 90. Mein Ziel: In einem Jahr will ich bei Normalgewicht sein. Mit der entsprechenden Ernährung (selten Weißmehl, selten Zucker – absolut darauf zu verzichten, schaffe ich sowieso nicht) und Bewegung wird das klappen. Also: Es geht weiter mit dem Blog, mit den kleinen Schritten und mit den Rezepten. Also alle, die sich hier eingelesen haben und gerne mitkochen, dürfen sich freuen. Nur ganz so regelmäßig werde ich es wohl nicht mehr schaffen, euch zu unterhalten. Ich hab ja mittlerweile drei Racker, die mich auf Trab halten. Und so sieht mein perfektes Glück derzeit aus:

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