„Ich heiße Frau Krauße und ich habe Diabetes.“ Ich setze mich wieder und zehn grauhaarige Menschen nicken mir mitleidig zu. So in etwa sieht das Horrorszenario aus, vor dem ich mich in Zukunft stehen sehe. Diabetes bekommt man im Alter und nicht mit 36 Jahren! Dachte ich immer…

Ich habe tatsächlich Diabetes. Allerdings einen sogenannten Gestationsdiabetes. Übersetzt heißt das: Ich bin schwanger. Das alleine ist keine Krankheit. Diabetes ist es dagegen schon. Und so fing alles an:
Anfang des Jahres ging ich zum jährlichen Zuckerbelastungstest. Reine Routine seit meiner letzten Schwangerschaft, in der ich auch schon Diabetes hatte. Diesmal fiel das Ergebnis allerdings niederschmetternd aus. Aus der Routine wurden zehn rote Ausrufezeichen. „Frau Krauße, ihre Testergebnisse sind beunruhigend. Sie müssen abnehmen!“. Gesagt, getan. Ich nahm ab. Erstmal 3 Kilo. Ich machte Sport. Ich aß, dachte ich, gesund und machte sogar so viel Sport, dass mir nach dem Workout kotzübel wurde. Danach schlief ich ein. Als die Übelkeit dann auch noch außerhalb des Sports aufkam, schrillten die ersten Alarmglocken los. Die Müdigkeit nahm zu, frisch gewaschene Wäsche und Parfümwolken brachten meinen Magen an seine Belastungsgrenze und schließlich brachte ein Test Gewissheit: Frau Krauße, Sie sind schwanger. Und zwar mit dem dritten Kind. Die Freude war riesig. Ich bin schwanger und habe nun von Tag 1 an Diabetes.

Was dann kam, ist schnell erzählt: Einer bleichen, mit ihrer Gesamtsituation völlig überforderten Frau Krauße wurde in 30 Minuten erzählt, was sie in Zukunft nicht mehr essen darf. Und das war viel! Keine Säfte und keine Limonaden, als erlaubte Getränke gelten ungesüßter Tee und Wasser. Keine Saftschorlen. Keinen Kuchen, keine Kekse, keine Pizza, keine Nudeln, keine hellen Brötchen. Erlaubt war alles aus Vollkorn bis auf Vollkornnudeln, weil in denen immer noch Weißmehl steckt. Vollkornreis ist auch nicht so super. „Kaufen Sie ihr Brot beim Biobäcker, die großen Bäckereien mischen an ihre Vollkornbrote Zucker und Weißmehl.“ Der nächste Biobäcker liegt nicht gerade auf dem Weg. Spitze! Milch und Joghurt nur sparsam, da ist Milchzucker drin. Eine Portion Obst am Tag ist erlaubt. Sonst bitte Gemüse essen. Schokolade und andere Naschereien verbieten sich von selbst. Nach diesen 30 Minuten wurde mir das Blutzuckermessgerät erklärt und während dieser Erklärung führten mich meine Hormone spazieren: Ich heulte los. Bei der Vorstellung, die nächsten 9 Monate von furztrockenem und harten Biovollkornbrot und Wasser zu leben, war für mich das Ende der Belastbarkeit erreicht. Wie sollte ich das bitte meiner Familie beibringen? Da waren ein Mann und zwei Kinder und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich ihnen ihr gewohntes Essen vorsetze und selbst an einem Kanten Brot nage, während vor mir der Nudeltopf steht. 

Heute, ein paar Wochen später, weiß ich: Ja, Gestationsdiabetes ist eine Krankheit und man sollte sie sehr ernst nehmen. Aber die Diabetesschulung war ein Schuss in den Ofen und ich habe meinen eigenen Weg gefunden. In den nächsten Beiträgen werde ich euch zeigen, wie man trotz Diabetes immer noch schlemmen kann und zwar gemeinsam mit der Familie. Pizza ist keineswegs von unserem Speiseplan gestrichen. Es gibt sie immer noch, aber jetzt ist sie gesund. Obstsäfte kann ich immer noch trinken, nur eben nicht direkt zum Essen. Auf die Mischung kommt es an. Für alle, die sich mit dieser Krankheit rumschlagen müssen in einer Zeit, die eigentlich die schönste im Leben einer Frau sein sollte, möchte ich hier Hilfe anbieten und vielleicht sogar auch selbst einmal Hilfe bekommen. Insgesamt 40 Wochen die Motivation aufrecht zu erhalten, ist ein langer und harter Weg.

Eine abschließende Bemerkung möchte ich allerdings noch loswerden: Das hier wird ein Blog, das lediglich auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen beruht. Ich bin kein Arzt und keine geschulte Diabetesberaterin. Ich habe herausgefunden, auf welche Lebensmittel ich gut anspreche und auf welche nicht. Ich bin zum heutigen Zeitpunkt in der 18. Woche und muss lediglich ein Nachtinsulin spritzen. Alle anderen Werte über Tag habe ich mit Ernährung und Bewegung im Griff. Diese Ernährung möchte ich nach der Schwangerschaft weiter beibehalten, denn, oh Wunder, sie tut mir und meiner Familie sehr gut. Meine Kinder lieben alles aus Vollkorn, d.h. sie bemerken oftmals den Unterschied zu den herkömmlichen Gerichten gar nicht. Dass ich ihnen neulich Hirse statt Reis vorgesetzt habe, war mit dem ersten Bissen wortwörtlich gegessen. Also an alle Mamas: Nur Mut! Das wird!

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